roboblog

ein weiterer netzschreibtisch.

mission statement
Mittwoch, 13. Dezember 2006
schweine@mediamarkt
Zu den absolut widerwärtigen Aspekten von Werbung zählt, daß sie absolut schamlos ist.

Sittlichkeit ist ihr fremd. Werbung kennt keine ethischen Grenzen. Die Werbetreibenden scheißen auf Deine Werte und auf alles was Dir etwas bedeutet. Für den freien Markt sind deine Werte nur so lange interessant, wie sie für Deine Kaufentscheidung eine Rolle spielen.

Spielen sie für Deine Kaufentscheidung keine Rolle sind sie irrelevant. Lassen sich die Werte irgendwie kommerziell verwerten werden sie verwertet.

Ein übler Auswuchs dieses Prinzips ist die derzeitige Werbekampagne von Media-Markt: Das Werbethema:

"Unlustiges Schwein mit der Stimme von Harald Schmidt macht üble Witze und singt danach eine Verarschung von "König von Deutschland" von Rio Reiser"


gehört so ziemlich zum Übelsten was das Werbefernsehen je hervorgebracht hat.

Nicht nur, daß damit allen Leuten, dennen Rio Reiser irgendetwas bedeutet weh getan wird. Nicht nur, daß dies eine Verhöhnung aller Leute ist, die in den 70ern marktwirtschatskritische Positionen vertreten haben.

Die Werbung ist zudem auch noch einfach eine Beleidigung des Fernsehzuschauers: Die dort verbreiteten Gags sind so schlecht, daß ich jedes Mal einen Würgreflex bekommen wenn ich von den Spots überfallen werde. Die Werbung ist eine Zumutung für den denkenden Menschen. Mit dem beworbenen Produkt hat sie so ziemlich gar nichts mehr zu tun. Es geht bei der Werbung nur noch um den öffentlichen Effekt. Es ist den Machern der Werbung scheißegal wie man Mediamarkt findet. Hauptsache man redet über den Laden.

Das Schwein aus der Werbung wird ja bekanntlich von Harald Schmidt synchronisiert. Es ist mir ein Rätsel, welcher Geldbetrag ihn dazu bewogen haben mag diesen Job anzunehmen. Vielleicht wird der honorige ARD-Vorabendentertainer inzwischen ein bißchen alt. Vielleicht ist er inzwischen auch einfach sehr schlecht beraten. Aber ein gewisses Restschmerzempfinden sollte er doch wohl noch haben. Schließlich stand die Fernsehfigur Harald Schmidt lange Zeit für eine Form der Aufklärung und der intelligenten Ironie, die man dem heutigen Fernsehen eigentlich gar nicht zugetraut hätte.

Nur: Das wirklich Üble an der Media-Markt-Schweinewerbung scheint zu sein, daß die Werber Anfang an darauf spekuliert haben, daß Leute wie ich unter der Werbung leiden und sich darüber beschweren.

Und so bin auch ich nun - ohne das ich das jemals wollte - mit diesem Blogeintrag ein Teil dieser beschissenen Werbekampagne geworden.

Und das ist das, was ich mit "Schamlos" meine.

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